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Es war der 11.11.89 um 11Uhr 11, als
Fuzzy Weissbrodt seinen Laden in der Münchner Pappenheimstraße erstmals
aufsperrte. "Fortan war rnein
Leben ein anderes", grinst der sympathische Anfang-Vierziger. Dabei
hatte er lediglich das getan, was viele Plattensammler tun: Er hatte einen
Second-Hand Plattenladen aufgemacht, um einerseits seinen Lebensunterhalt zu
bestreiten und andererseits seiner Passion nachzugehen: Musikhören. "Ohrwaschl"
nannte er seinen Shop. Richtig bayrisch und, "weil's lässig klingt." Ein Name, der bald schon weit über Bayerns Grenzen hinaus ein Begriff werden sollte.
Denn Weissbrodt hatte nur im Angebot, "was in den 60er und 70er Jahren
entstanden war. Das ist die Musik, die mich am meisten interessiert." So fanden und finden sich in seinem Repertoire ausschließlich Kraut- und Art-Rock-,
Avantgarde-Pop- und Prog-Rock-Scheiben.
Darunter längst vergessene Namen wie Ihre Kinder, Sahara, Horslips oder
Hölderlin, aber auch alte Meister wie King Crimson und Amon Düül.Rasch
entwickelte sich"Ohrwaschl"zu einer Umsatzbörse für eingefleischte
Fans,Nostalgiker und junge Musikkenner.
Einer der Stammgäste war Stefan Brenner. Fuzzy: "Mein Laden ist sehr klein und so kamen wir bald ins Gespräch. Stefan arbeitete bei der winzigen
Exklusiv-Plattenfirma 'Kuckuck' und
erzählte mir, daß in deren Kellern die Original-Mastertapes von Platten alter
Bands wie Out Of Focus, Armageddon und Murphy Blend vor sich hin faulen. Da
es fast unmöglich war, die Platten dieser Gruppen zu bekommen, wußte ich, daß
ich da etwas tun mußte!" Flugs riefen Fuzzy und Stefan die "Weissbrodt/Brenner
GBRmbH" ins Leben und setzten sich mit dem "Kuckuck"-Label in Verbindung.
Schließlich bekam man die Exklusiv-Rechte für etliche alte Scheiben.
"Manche Bänder haben wir vor dem Ruin gerettet, so kaputt waren die." In
mühevoller Kleinarbeit brachte man sie auf den neuesten Stand, preßte sie auf
CD und verkleinerte die Originalcovers auf CD-Bookletformat. "Wir
wollten alle Platten so originalgetreu wie möglich gestalten.
Nur in besserer Qualität." Und warum dieser Aufwand? "Weil man Fan dieser Platten ist. Aber auch in der Hoffnung auf einen kleinen Hit." Nach ersten positiven Vertriebsergebnissen gründete man das Label "Ohrwaschl-Records". "Das
Risiko war nicht so groß, denn wir spezialisierten uns auf deutschen Prog-Rock.
Wer hat sowas schon im Angebot?" Einen echten Hit konnte man zwar noch nicht
landen, "doch wenn die Erstauflage von 500 Stück verkauft ist und wir eine
Zweitauflage pressen können, kommt ein bißchen Geld rein.
Dies gelang mit etlichen Platten.
Doch Gewinne stecken wir sofort in neue Projekte." Wie die Veröffentlichung von
Alt-Werken anderer Mini-Firmen und der Förderung neuer Bands, "die so klingen
wie die alten." Wie die Prog-Rocker Fantasyy Factoryy, Analogy oder Wide- Scope. Schließlich etablierte der Weltmusik-Freund Stefan Brenner mit "Bandaloop Production" gar ein Unterlabel für Kosmopolit-Musikanten wie Shankar Lal oder Munir A. Zai. So
entstand ein kleines "Ohrwaschl"-Imperium.
An dessen Anfang der kleine Laden stand.
Auch heute gibt es ihn noch, nur sind mehr und mehr Produktionen vom eigenen
Label im Angebot. "Die meisten
Kunden stammen aus Amerika, Kanada und Japan - 70% aller Anfragen kommen aus
dem Ausland." Bestellen kann man auch die Produkte von exotischen Labels wie
"Spalax", "Vinyl Tap", "Mellow Records" und anderen.Auch eine grosse Auswahl an
Irish/Celtic Folk und traditioneller indischer Musik ist mittlerweile ein
Schwerpunkt des Ladens. "Die dicke
Kohle werden wir wohl nie einfahren.Aber es ist uns ein echtes Anliegen, fast
verschollenes Kulturgut und speziell die 'etwas andere' deutsche Musikhistorie
zu retten.
Wir glauben an diese Musik!" (aus:Fachblatt
Musikmagazin,7/97 )
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