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Fachmann für Vergessenes

Artikel der SZ vom 15.01.02


The Beginning.........
WAS MACHT OHRWASCHL...?
 

 Es war der 11.11.89 um 11Uhr 11, als Fuzzy Weissbrodt seinen Laden in der Münchner Pappenheimstraße erstmals aufsperrte.  "Fortan war rnein Leben ein anderes", grinst der sympathische Anfang-Vierziger.  Dabei hatte er lediglich das getan, was viele Plattensammler tun: Er hatte einen Second-Hand Plattenladen aufgemacht, um einerseits seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und andererseits seiner Passion nachzugehen: Musikhören.  "Ohrwaschl" nannte er seinen Shop.  Richtig bayrisch und, "weil's lässig klingt." Ein Name, der bald schon weit über Bayerns Grenzen hinaus ein Begriff werden sollte.  Denn Weissbrodt hatte nur im Angebot, "was in den 60er und 70er Jahren entstanden war.  Das ist die Musik, die mich am meisten interessiert." So fanden und finden sich in seinem Repertoire ausschließlich Kraut- und Art-Rock-, Avantgarde-Pop- und Prog-Rock-Scheiben.   Darunter längst vergessene Namen wie Ihre Kinder, Sahara, Horslips oder Hölderlin, aber auch alte Meister wie King Crimson und Amon Düül.Rasch entwickelte sich"Ohrwaschl"zu einer Umsatzbörse für eingefleischte Fans,Nostalgiker und junge Musikkenner.  Einer der Stammgäste war Stefan Brenner.  Fuzzy: "Mein Laden ist sehr klein und so kamen wir bald ins Gespräch.  Stefan arbeitete bei der winzigen Exklusiv-Plattenfirma 'Kuckuck' und erzählte mir, daß in deren Kellern die Original-Mastertapes von Platten alter Bands wie Out Of Focus, Armageddon und Murphy Blend vor sich hin faulen.  Da es fast unmöglich war, die Platten dieser Gruppen zu bekommen, wußte ich, daß ich da etwas tun mußte!" Flugs riefen Fuzzy und Stefan die "Weissbrodt/Brenner GBRmbH" ins Leben und setzten sich mit dem "Kuckuck"-Label in Verbindung.  Schließlich bekam man die Exklusiv-Rechte für etliche alte Scheiben.   "Manche Bänder haben wir vor dem Ruin gerettet, so kaputt waren die." In mühevoller Kleinarbeit brachte man sie auf den neuesten Stand, preßte sie auf CD und verkleinerte die Originalcovers auf CD-Bookletformat.  "Wir wollten alle Platten so originalgetreu wie möglich gestalten.  Nur in besserer Qualität." Und warum dieser Aufwand?  "Weil man Fan dieser Platten ist.  Aber auch in der Hoffnung auf einen kleinen Hit." Nach ersten positiven Vertriebsergebnissen gründete man das Label "Ohrwaschl-Records".  "Das Risiko war nicht so groß, denn wir spezialisierten uns auf deutschen Prog-Rock.  Wer hat sowas schon im Angebot?" Einen echten Hit konnte man zwar noch nicht landen, "doch wenn die Erstauflage von 500 Stück verkauft ist und wir eine Zweitauflage pressen können, kommt ein bißchen Geld rein.  Dies gelang mit etlichen Platten.  Doch Gewinne stecken wir sofort in neue Projekte." Wie die Veröffentlichung von Alt-Werken anderer Mini-Firmen und der Förderung neuer Bands, "die so klingen wie die alten." Wie die Prog-Rocker Fantasyy Factoryy, Analogy oder Wide- ScopeSchließlich etablierte der Weltmusik-Freund Stefan Brenner mit "Bandaloop Production" gar ein Unterlabel für Kosmopolit-Musikanten wie Shankar Lal oder Munir A. Zai.  So entstand ein kleines "Ohrwaschl"-Imperium.  An dessen Anfang der kleine Laden stand.  Auch heute gibt es ihn noch, nur sind mehr und mehr Produktionen vom eigenen Label im Angebot.  "Die meisten Kunden stammen aus Amerika, Kanada und Japan - 70% aller Anfragen kommen aus dem Ausland." Bestellen kann man auch die Produkte von exotischen Labels wie "Spalax", "Vinyl Tap", "Mellow Records" und anderen.Auch eine grosse Auswahl an Irish/Celtic Folk und traditioneller indischer Musik ist mittlerweile ein Schwerpunkt des Ladens.  "Die dicke Kohle werden wir wohl nie einfahren.Aber es ist uns ein echtes Anliegen, fast verschollenes Kulturgut und speziell die 'etwas andere' deutsche Musikhistorie zu retten.   Wir glauben an diese Musik!" (aus:Fachblatt Musikmagazin,7/97 )